Gefälschter Brief im Namen der Apobank

Ein Arzt aus Dornburg-Camburg im Saale-Holzland-Kreis hat durch eine Quishing-Masche rund 100.000 Euro verloren. Das berichtete das MDR-Magazin „Kripo live" am 20. September 2026. Der Mediziner führt seit 25 Jahren eine Praxis in Dornburg-Camburg. Er ging mit seinem Fall an die Öffentlichkeit, um andere zu warnen.

Nach Angaben des MDR begann der Betrug vor rund zwei Monaten mit einem Brief, der scheinbar von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) stammte. Darin sei der Arzt aufgefordert worden, seine Daten zu verifizieren, damit das Konto weiterhin reibungslos laufe. Ein QR-Code im Schreiben sollte direkt zur Banking-Website führen. Der Arzt scannte den Code und gab auf der Seite seine Bankdaten ein. Die Seite war eine Fälschung, die nur dem Abgreifen der Zugangsdaten diente.

Gegenüber dem MDR erklärte der Arzt, der Brief sei ihm glaubwürdig erschienen, weil er klassisch per Post gekommen und täuschend echt gemacht gewesen sei. Zuvor sei er bereits mehrfach per E-Mail zur Verifizierung aufgefordert worden.

Anruf eines angeblichen Bankmitarbeiters

Am Abend nach einem Arbeitstag rief nach Angaben des MDR ein angeblicher Mitarbeiter der Bank an. Er teilte mit, es seien verdächtig hohe Überweisungen an fremde Konten festgestellt worden, und fragte, ob der Arzt Opfer eines Phishing-Betrugs geworden sein könne. Der Arzt dachte an den gescannten QR-Code und nahm das Hilfsangebot an.

Der Anrufer behauptete, das Überweisungslimit liege bei 500.000 Euro pro Tag, und bot an, es auf 100.000 Euro zu senken. Der Arzt stimmte zu und bestätigte eine TAN. Nach eigenen Angaben stellte er später fest, dass sein Tageslimit zuvor bei 25.000 Euro gelegen hatte. Mit der TAN hatte er das Limit damit nicht gesenkt, sondern vervierfacht.

„Das Vorgehen zeigt, wie professionell und psychologisch geschickt die Täter vorgehen. Es ist also kein spontanes Verhalten, sondern gezielte Manipulation." – Sina Poser, Polizei Jena, gegenüber „Kripo live"

39 Überweisungen freigegeben statt storniert

Im nächsten Schritt sagte der Anrufer nach Angaben des MDR, es seien 39 Überweisungen ausgeführt worden. Der Arzt könne sie noch stoppen, wenn er die Aufträge storniere. Tatsächlich bestätigte er damit die Überweisungen der Täter. Den Betrug bemerkte er kurz nach dem Telefonat, als er sein Konto erneut prüfte.

Nach Angaben der Polizei Jena floss das Geld auf zwölf verschiedene Konten. Es sei zügig an mehreren Geldautomaten in Nordrhein-Westfalen in bar abgehoben worden. Für den Geschädigten sei das Geld damit verloren, sagte Sina Poser von der Polizei Jena dem MDR.

SchrittAblauf nach Angaben von MDR und Polizei
BriefGefälschtes Schreiben im Namen der Apobank fordert zur Verifizierung der Kontodaten per QR-Code auf
Phishing-SeiteDer Code führt auf eine nachgebaute Banking-Seite; dort gibt der Arzt seine Zugangsdaten ein
AnrufEin angeblicher Bankmitarbeiter meldet verdächtige Überweisungen und bietet Hilfe an
LimitPer TAN bestätigt der Arzt eine angebliche Senkung des Tageslimits; tatsächlich steigt es von 25.000 auf 100.000 Euro
39 AufträgeStatt 39 Überweisungen zu stornieren, gibt er sie frei; das Geld geht auf zwölf Konten
BargeldDie Beträge werden laut Polizei an Geldautomaten in Nordrhein-Westfalen abgehoben

Masche richtet sich gezielt an Arztpraxen

Die Masche richtet sich nach Angaben des MDR gezielt an Ärztinnen und Ärzte. Apobank und Polizei warnen davor. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen teilte im September 2026 mit, Praxen erhielten derzeit wieder vermehrt gefälschte Schreiben im Namen der Apobank. Quishing werde bereits seit Sommer 2024 vermehrt beobachtet.

Gefälschte Bankbriefe mit QR-Codes sind auch aus anderen Regionen bekannt. Im März 2026 hatte das Polizeipräsidium Heilbronn nach einem Fall in Tauberbischofsheim vor Schreiben im Namen mehrerer Banken gewarnt, darunter die Apobank (Bericht). Der Fall aus Dornburg-Camburg zeigt, dass Täter den per Brief erbeuteten Zugang mit einem anschließenden Anruf kombinieren.

Empfehlungen der Polizei

  • • Bleiben Sie bei einem angeblichen Anruf Ihrer Bank wegen einer Überweisung ruhig.
  • • Prüfen Sie zuerst selbst Ihren Kontostand und rufen Sie dann Ihre Bank unter der bekannten Nummer an.
  • • Ihre Bank ruft nach Angaben der Polizei niemals an, um sich eine Überweisung am Telefon bestätigen zu lassen.
  • • Lesen Sie vor jeder TAN-Freigabe, welchen Auftrag Sie tatsächlich bestätigen.
  • • Rufen Sie das Online-Banking über die App oder die selbst eingegebene Adresse auf, nicht über einen QR-Code aus einem Brief.

Quishing-Karte: 37 dokumentierte Vorfälle

Die QRTrust-Quishing-Karte verzeichnet Vorfälle in Deutschland, den Niederlanden und Belgien mit Ort, Datum, Masche und Quelle. Der Fall aus Dornburg-Camburg ist als dritter dokumentierter Fall gefälschter Bankbriefe eingetragen.

QRTrust prüft die Zieladresse eines QR-Codes vor dem Öffnen gegen mehrere Phishing-Datenbanken und KI-Modelle.

Zur Quishing-Karte →

Über QRTrust

QRTrust ist die erste deutsche QR-Code-Sicherheitsplattform, entwickelt in Dortmund. KI-gestützte Echtzeit-Erkennung, eine lokale Bedrohungsdatenbank und mehrstufige Sicherheitsprüfungen schützen Bürger, Behörden und Unternehmen vor Quishing-Angriffen. DSGVO-konform, gehostet in Deutschland.